Das Bauhaus gilt als bedeutendste Exportmarke deutscher Architekturgeschichte. Die klassische Formel „form follows function“ (Form folgt Funktion) prägte Moderne und Industrialisierung weltweit. In einer nach-modernen Gesellschaft muss dieser Ansatz weiterentwickelt werden. Der funktionale Kern des Bauhaus-Stils sollte um eine emotional-ästhetische Komponente ergänzt werden, um als zeitgemäßer deutscher Baustil zu wirken.
Die Notwendigkeit der Synthese von Funktion und Emotion
Das historische Bauhaus reduzierte Architektur auf Minimalismus, Nutzwert und serielle Fertigung. Dies beseitigte unnötigen Historismus (Übernahme historischer Stilelemente). Heute führt ein rein funktionalistischer Bau oft zu Monotonie und visueller Kälte im urbanen Raum. Eine funktionale Hülle genügt menschlichen Bedürfnissen nach Identifikation und Geborgenheit nicht mehr.
Eine Weiterentwicklung erfordert die Vernetzung technischer Effizienz mit psychologischer Wirkung:
* Kommerzielle Architektur (Beispiel Kaufhaus): Ein modernes Kaufhaus muss durch Eleganz beeindrucken. Das Bauhaus liefert das Fundament: klare Geometrie, großflächige Glasfronten, sichtbare Tragwerke. Durch die Ergänzung edler Materialien (z. B. getönte Gläser, warme Naturstein-Akzente, hochwertige Legierungen) und durchdachter Lichtführung entsteht visuelle Anziehungskraft. Eleganz wird hier zum emotionalen Verstärker der Funktionalität.
* Kulturelle Architektur (Beispiel Kulturgebäude): Ein Theater oder Museum muss Vorfreude wecken. Die starre Bauhaus-Kubatur lässt sich durch dynamische Raumfolgen und organische Übergänge ergänzen. Das Gebäude kommuniziert seinen Zweck bereits über die Fassade. Die Schlichtheit des Bauhaus-Prinzips verhindert dabei Kitsch, während gezielte emotionale Reize Inspiration auslösen.
Das Bauhaus als innovativer „Deutscher Baustil“
Die Transformation des Bauhaus-Stils bietet die Chance, ein neues architektonisches Leitbild zu etablieren. Dieser Ansatz verbindet die traditionellen Stärken deutscher Ingenieurskunst (Präzision, Nachhaltigkeit, Konstruktivismus) mit einer nutzerzentrierten Empathie.
Funktionalität bildet das stabile Fundament eines Bauwerks. Die gezielte Integration von Emotionalität – durch Eleganz, Ästhetik und Raumgefühl – verleiht ihm Charakter. Eine solche Renaissance des Bauhaus-Gedankens schafft zeitlose, funktionale und zugleich menschennahe Architektur für den urbanen Raum.
Bauhaus ist keine Ideologie, es ist, was es ist, ein Architekturstiel.